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Kastelaner Crljenak

Kastelaner Crljenak

Der Crljenak aus Kaštela ist eine alte, fast vergessene kroatische Sorte, welche in letzter Zeit die heimische und ausländische Winzergemeinschaft zusammenruft. Tatsächlich wurde bestätigt, dass der Crljenak aus Kaštela und die amerikanische Sorte Zinfandel das gleiche genetische Profil besitzen, bzw. dass es sich um die gleiche Sorte handelt, womit das Mysterium um dessen Herkunft gelöst ist.

 

Unter dem Namen Zinfandel wurde diese Sorte in den frühen 20er Jahren des 19. Jahrhunderts aus dem königlich-staatlichen Weingut in Wien (wo unzählige Sorten aus der damaligen Monarchie gesammelt wurden) in die USA (Long Island) eingeführt. Es besteht eine geschätzte Sorte im Nordosten des Landes, aber vorerst als Getreidesorte, in den kälteren Regionen wird sie auch in Gewächshäusern herangezogen. Ca. 30 Jahre später wurde sie nach Kalifornien gebracht, wo sie sich sehr schnell verbreitet, vor allem in der Zeit des so genannten goldenen Fiebers. In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts wird sie zur weitverbreitetsten Sorte in Amerika.

 

Die Popularität des Zinfandel, vor allem in Amerika, hält bis heute an. Es nimmt eine große Fläche ein, über 23 % der gesamten Rebfläche, und wird von mehr als 200 Produzenten gezüchtet. Es ist eine in den USA sehr geschätzte Sorte, welche normalerweise starke und volle, intensiv gefärbte Weine ergibt. Im Vergleich zu einigen anderen Rotweinsorten, sind dessen Weine weich und trinkbar, mit einer ausgeprägten Aromasorte, welche von diskret blumigen bis hin zu stark entwickelten Fruchtaromen reicht. Die Art und der Charakter des Weines hängen größtenteils vom Ort der Züchtung, dem Alter der Plantage und der angewandten Technologie ab. Auch der rose Wein dieser Sorte ist bekannt, der sogenannte White Zinfandel, welcher lange Zeit an der Spitze der Popularität bei den amerikanischen Weinen lag. Von Jahr zu Jahr breitete sich der Kreis seiner Verehrer aus, so dass 1991 eine Gemeinschaft von Produzenten und Liebhabern des Zinfandels (Zinfandel Advocates and Producers - ZAP) gegründet wurde, mit dem Ziel die Sorte und den Wein bekannt zu machen, sowie die Unterstützung spezialisierter und wissenschaftlicher Untersuchungen, verbunden mit dieser Sorte. Viele Untersuchungen verbunden mit dieser Sorte beschäftigen sich mit deren Herkunft, und diese Unwissenheit weckte das Interesse vom Anfang der Züchtung an . Obwohl bekannt ist dass diese, wie auch andere Sorten nobler Weinreben (Vitis vinifera L.) aus Europa eingeführt wurde, wird sie, anhand ihres Stellenwertes in der amerikanischen Kultur und Geschichte, sogar als amerikanische Sorte und Wein (Amerikas Rebe und Wein) angesehen. Die erste Entdeckung, die Herkunft betreffend, geht auf das Jahr 1967 zurück, als Professor Austin Goheen von der Universität in Davis, Kalifornien (University of California Davis) in Italien Weine verkostete und eine Sorte namens Primitivo sah, welche ihn an Zinfandel erinnerte. Die Resultate verschiedener vergleichender Untersuchungen von Zinfandel und Primitivo ließen darauf schließen, dass es sich tatsächlich um die selbe Sorte handelte. Die endgültige Bestätigung dieser Theorie gab Prof. Carole Meredith von der Universität in Davis, welche anhand der sogenannten DNA-Fingerabdruckmethode deren genetische Gleichheit bewies. 

 

Dennoch, da der Primitivo in Italien relativ kurz gezüchtet wird, kürzer als der Zinfandel in Amerika, und da dieser auch anhand einiger Dokumente von der östlichen Küste der Adria in die italienische Provinz Puglia gebracht wurde, blieb die Frage der Herkunft noch immer offen, und die kroatische Küste wurde als mögliche Heimat dieser Sorte interessant. Wegen der morphologischen Ähnlichkeit mit dem Primitivo, bzw. dem Zinfandel, fing man vor ca. 20 Jahren an auch den kleinen Plavac als mögliches drittes Synonym für die gleiche Sorte zu erwähnen, und mit der Zeit erhielt diese Annahme immer mehr Anhänger. Um ihre Untersuchungsarbeiten hinsichtlich der Herkunft des Zinfandels fortsetzen zu können, hat Prof. Meredith mit Hilfe einiger amerikanischer Produzenten (darunter auch Miljenko Grgic, ein bekannter amerikanischer Winzer kroatischer Herkunft) und Mitarbeitern der agronomischen Universität Zagrebs (Ivan Pejić, Edi Maletić, Jasminka Karoglan Kontić, Nikola Mirošević) Dalmatien durchquert und damit über 150 Proben des kleinen Plavac (kleiner Blauer) von verschiedenen Gebieten eingesammelt. Die Resultate ergaben, dass der Zinfandel und der kleine Plavac zwei verschiedene Sorten waren, aber auch, dass sie genetisch sehr ähnlich sind, bzw. dass der Zinfandel einer der Erzeuger des kleinen Plavac ist. Gerührt von dieser Entdeckung haben kroatische Wissenschaftler (Maletić und Pejić) die Suche fortgesetzt, und somit auch den zweiten Erzeuger des kleinen Plavac - Dobričić, eine alte Sorte von der Insel Solte, entdeckt. Somit wurde das Suchgebiet auf Solte, Brac, Civio und auf den mitteldalmatinischen Küstenstreifen eingeengt. 

 

Unter den vielzähligen angesammelten Proben, fand man auch die Sorte Crljenak aus Kaštela, welche, auf Empfehlung von Dipl. Ing. Ante Vuletin, dem Weingut von Ivica Radunić aus Kaštel Novi entnommen wurde. Die Analyse ergab ein identisches genetisches Profil des Kaštelaner Crljenak und des Zinfandels, welches nunmehr endgültig das Mysterium der Herkunft der populärsten Sorte in Amerika entschlüsselte. Ein zusätzlicher Beweis für die kroatische Herkunft dieser Sorte ist auch die Entdeckung, dass viele andere kroatische ähnliche Sorten in einer engen Verwandtschaft mit Zinfandel/Primitivo/Kaštelaner Crljenak stehen.